Unsere E-Mail an Frau Bundeskanzlerin Dr. Merkel vom 14.04.2021

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin Dr. Merkel,

ich wende mich an Sie als Gewerbetreibender der Branche Bootsverleih – ansässig im Leipziger Neuseenland – aber auch als Privatperson.

Ihnen liegt der Offene Brief der Aerosolwissenschaftler – Ansteckungsgefahren aus Aerosolwissenschaftlicher Perspektive – vom 11.04.2021 vor. Seit diesem Tag verfolge ich noch aufmerksamer als sonst die Tagesnachrichten in der Hoffnung, Ihre Haltung zu den wissenschaftlichen Informationen der Gesellschaft für Aerosolforschung (GAeF) zu erfahren. Bislang konnte ich aus den einschlägigen Medien leider noch keine Antwort von Ihnen zu diesem wissenschaftlichen Positionspapier entnehmen.

Unmittelbar am jahresüblichen Saisonbeginn für unsere Branche ist es uns auf unbestimmte Zeit und mit existenzbedrohenden Folgen untersagt, unsere Angebote allen in unserem Land lebenden Menschen für ihre sportliche Betätigung zu öffnen. Diese einem Berufsverbot gleichkommende Gewerbeuntersagung ist uns komplett unverständlich. So wie Sie üben wir unsere Tätigkeit mit hohem Engagement, Herzblut und Leidenschaft aus – es gilt das bekannte Motto: Unternehmer kommt von unternehmen, nicht von unterlassen. Dennoch müssen wir es derzeit aufgrund nicht nachvollziehbarer Verbote für etwas, das komplett an der Frischluft geschieht, wider unserer Macher-Natur gezwungen unterlassen.

Am besten nachfühlbar sind Situationen stets an Beispielen, auch hypothetischen:
Stellen Sie sich einmal vor, Ihnen als leidenschaftliche Bundespolitikern höchsten Ranges würde die UN untersagen Ihre Gedanken und Haltungen zu äußern. Sie würden es ebenso nicht verstehen, Ihr Amt untersagt zu bekommen, obwohl nachweislich über elektronische Medien keine Krankheitserreger jedweder Form übertragen werden.

Können Sie anhand diese Beispiels nachfühlen, wie es uns geht ?
Der Offene Brief der Aerosolwissenschaftler stellt es geradezu in ein widersinniges Licht, Angebote für Freiluftsport – wie Boot fahren einer ist – zu untersagen. Sollten Sie einen Bundes-Lockdown für erforderlich halten bitte ich Sie deshalb inständig, nicht allein die Wissenschaftssparte Ihres parlamentarischen Koalitionskollegen Karl Lauterbach (SPD) zu hören, sondern bitte auch die Aerosolwissenschaftler von denen vielleicht keiner die Möglichkeit hat, Ihnen seine Argumente im regierungspolitischen Tagesgeschäft in Berlin persönlich gebetsmühlenartig vorzutragen, die sich „eben nur“ – aber wissenschaftlich gleichwertig beachtungswürdig – auf brieflichem Weg an Sie wenden konnten.

Leider entnehme ich aus den absagenden behördlichen Antworten auf die Frage nach einer absehbaren Öffnungserlaubnis für unser Freiluftangebot der Bootsverleihe immer wieder das Abstellen in eine Nische die wir gar nicht sind, durch bloße Einstufung als derzeit noch untersagte Freizeiteinrichtung. Wir sind aber gerade das sachlich-logische Gegenteil eines verrauchten Jugendclubs! Dieses „Wegwischen“ schmerzt vor allem deshalb weil daran deutlich wird dass in keinster Weise mit gesundem Menschenverstand erfasst ist, wie reich an Angeboten zur gesunden – und eben gerade nicht gesundheitsgefährdenden – Gestaltung des Lebens unser Land eigentlich ist; durch Angebote, die wir Unternehmer durch unseren persönlichen Einsatz am Entstehen, Dasein und Funktionieren halten, und eben von niemandem einfach ohne Breit- und Weitsicht untersagt gestellt sehen wollen.

Ganz persönlich „zerreißt“ mich, sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin – vor dem Hintergrund der Unsinnigkeit eines geplanten Aufenthaltsverbotes an frischer Luft – die Absicht Ihrer Erlassung einer Ausgangssperre für die kommende Zeit von 21 Uhr bis 5 Uhr.
WARUM darf ich am Abend eines arbeitsreichen Tages nicht an meinem Lieblingsbadesee am Ufer sitzend den Sonnenuntergang genießen? Die Rückfahrtzeit zur Wohnung einkalkuliert müsste ich dort 20:15 Uhr wieder weg – und das wenn es bis nach 22 Uhr noch hell ist ?
Bin ich ein kleines Kind das dann ins Bett müsste – mit 54 Jahren Lebensalter beantwortet sich diese Frage wohl von selbst!
Anders gefragt: was macht das Virus an meinem Lieblingsbadesee um 21:01, das es an derselben Uferstelle 20:59 nicht gemacht hat? Dasselbe – nicht in der frischen Außenluft in ansteckender Konzentration vorhanden sein!

BITTE TREFFEN SIE EINE VERNÜNFTIGE ENTSCHEIDUNG ZUR GESTATTUNG DER BEWEGEUNG UND DES AUFENTHALTES AN GESUNDER FRISCHER LUFT – UND KEINE UNVERNÜNFTIGE.

Beste herzliche Grüße aus Leipzig

Oliver Schulze